Im Oktober 2024 beauftragte der Betreiber eines gewerblichen Batteriespeichers in der Region Stuttgart ein unabhängiges Sachverständigengutachten. Die Anlage — ein 500-kWh-LFP-System mit 250 kW Nennleistung, Inbetriebnahme August 2023 — zeigte seit Juni 2024 einen schleichenden Kapazitätsverlust, der durch das übergeordnete Energiemanagement-System (EMS) als reduzierte Lade-/Entladezyklen registriert wurde.
Der Speicher wurde für Eigenverbrauchsoptimierung und PV-Überschussspeicherung eingesetzt (gekoppelt mit einer 320-kWp-PV-Dachanlage). Die Betriebsdaten zeigten:
| Parameter | Soll (Datenblatt) | Ist (Okt 2024) | Abweichung |
|---|---|---|---|
| Nutzbare Kapazität | 500 kWh | 385 kWh | −23,0 % |
| Maximale Entladeleistung | 250 kW | 192 kW | −23,2 % |
| Round-Trip-Efficiency | 94,5 % | 87,3 % | −7,2 Pp |
| Vollzyklen (gesamt) | — | 412 | Erwartet: <5 % Degradation |
Die Vor-Ort-Untersuchung umfasste drei Messtage mit folgendem Programm:
Auswertung der BMS-Protokolle über 14 Monate Betriebszeit (ca. 2,3 Mio. Datenpunkte). Dabei zeigten sich ab März 2024 zunehmende Abweichungen der Zellspannungen innerhalb einzelner Module. Die Analyse der Balancing-Events ergab, dass in Rack 3, 7 und 11 die passive Balancing-Frequenz um den Faktor 4,7 über dem Normalwert lag — ein deutliches Indiz für defekte Balancing-Boards.
Kontrollierte Entladung aller 12 Racks bei 0,5C mit simultaner Einzelzellspannungsmessung. Ergebnis:
| Rack | Min. Zellspannung (EOD) | Max. Zellspannung (EOD) | Delta | Bewertung |
|---|---|---|---|---|
| Rack 1 | 2,81 V | 2,84 V | 30 mV | ✓ Normal |
| Rack 3 | 2,52 V | 2,83 V | 180 mV | ⚠ Kritisch |
| Rack 7 | 2,61 V | 2,84 V | 155 mV | ⚠ Kritisch |
| Rack 11 | 2,58 V | 2,82 V | 168 mV | ⚠ Kritisch |
Die Spannungsdifferenzen in Rack 3, 7 und 11 überschritten den vom Hersteller definierten Grenzwert von 50 mV um das 3- bis 3,6-fache. Dies deutet auf ein systematisches Versagen der passiven Balancing-Funktion hin.
Die Öffnung der betroffenen Module bestätigte den Verdacht: An den Balancing-Widerständen der BMS-Boards zeigten sich thermische Verfärbungen und Lötstellenrisse. Die Seriennummernanalyse ergab, dass alle drei defekten Boards aus der Fertigungscharge Q3/2023 stammen.
Inbetriebnahme des 500-kWh-Speichersystems, Abnahmeprüfung ohne Beanstandung
Erste BMS-Warnmeldungen: "Cell Voltage Imbalance" in Rack 3 (vom Betreiber zunächst als Sensor-Glitch interpretiert)
EMS registriert reduzierte nutzbare Kapazität (−12 %), Warnmeldungen auch in Rack 7 und 11
Kapazität fällt unter 80 % — Herstellersupport empfiehlt "Firmware-Update" (ohne Erfolg)
Beauftragung des unabhängigen Sachverständigengutachtens
Vor-Ort-Messungen, BMS-Board-Inspektion, Ursachenfeststellung
Gutachten abgeschlossen, Gewährleistungsanspruch gegenüber Lieferant durchgesetzt
| Position | Betrag |
|---|---|
| Ertragsausfall Eigenverbrauchsoptimierung (Jun–Dez 2024) | 28.400 € |
| Entgangene Netzdienstleistungs-Erlöse (Regelenergie) | 19.800 € |
| Austausch 3× BMS-Boards inkl. Montage | 8.200 € |
| Rekalibrierung und Kapazitätstest (3 Tage) | 4.800 € |
| Gutachtenkosten | 18.000 € |
| Gesamtschaden | 79.200 € |
Das Gutachten empfahl dem Betreiber:
Ähnlicher Fall? Wir helfen weiter.
Unabhängige Bewertung durch TÜV-zertifizierten Sachverständigen — bundesweit.
Unverbindlich anfragenZuletzt aktualisiert: 2026-05-20 | Autor: Christoph S. Prestele, TÜV-zertifizierter Sachverständiger | EN-Gutachter.de