Am 12. März 2025 wurde die Feuerwehr Frankfurt-Ost zu einem Brand auf dem Flachdach eines Gewerbegebäudes (Logistikunternehmen) gerufen. Der Brand konnte auf einen Bereich der PV-Anlage eingegrenzt werden. Die Gebäudeversicherung beauftragte umgehend ein forensisches Sachverständigengutachten zur Brandursachenermittlung.
Vorgefundene Situation bei Erstbegehung (14.03.2025)
Bei der Erstbegehung drei Tage nach dem Brandereignis zeigten sich:
Die am Schadenpunkt vorgefundenen Kupferschmelzperlen (Ø 1,2–2,8 mm) zeigten unter dem Rasterelektronenmikroskop (REM) die für seriellen DC-Lichtbogen typische Mikrostruktur: gleichmäßige Erstarrungsfront, feine dendritische Struktur und Abwesenheit von Oxidschichten im Inneren. Die Schmelztemperatur von Kupfer (1.085 °C) wurde lokal überschritten — konsistent mit Lichtbogentemperaturen von 3.000–6.000 °C am Kern.
Widerstandsmessung am beschädigten Stecker
Der verbliebene MC4-Stecker der Gegenleitung (Minus-Pol, nicht vom Brand zerstört) zeigte bei Messung einen Übergangswiderstand von 2,8 Ω. Der Normalwert eines korrekt gecrimpten MC4-Steckers liegt bei <0,5 mΩ — die Abweichung beträgt somit den Faktor 5.600.
Forensisches Ergebnis: Die Crimphülse war nicht vollständig auf den abisolierten Leiter gepresst worden. Es verblieb ein Luftspalt von ca. 2 mm, in dem sich über 5 Jahre Betriebszeit durch Mikrovibrationen (Wind) und thermische Zyklen ein zunehmender Übergangswiderstand bildete. Bei Volllast (Isc ≈ 9,8 A, Voc ≈ 720 V DC) entstand ein serieller Lichtbogen, der die Kabelisolierung entzündete.
Welcher zeitliche Ablauf führte zum Brand?
Juni 2019
Installation der 180-kWp-PV-Anlage durch Subunternehmer des Generalunternehmers
2019–2023
Unauffälliger Betrieb, keine regulären Wartungen oder Thermografieprüfungen durchgeführt
Sommer 2024
Monitoring registriert leichten Ertragsrückgang in String 7 (−3,2 %) — wird nicht untersucht
12. März 2025, 13:42 Uhr
Brandmelder im OG löst aus, Feuerwehr trifft 13:51 Uhr ein, löscht Schwelbrand auf Dachfläche
14. März 2025
Erstbegehung durch Sachverständigen, Sicherung der Beweisstücke
April 2025
Laboranalyse der Schmelzperlen, REM-Untersuchung, Erstellung des Gutachtens
Mai 2025
Gutachtenvorlage bei Versicherung, Regulierung eingeleitet
Komplettprüfung aller verbleibenden MC4-Steckverbinder mittels Thermografie unter Last und Widerstandsmessung
Installation eines AFDD (Arc Fault Detection Device) gemäß DIN EN 63027 im Generatoranschlusskasten
Einführung einer jährlichen Wartungsroutine mit Thermografieprüfung nach DIN EN 62446-2
Haftungsanspruch gegen den installierenden Subunternehmer (Installationsfehler — fehlerhafter Crimp)
Gutachterliche Einschätzung: Der Brand war mit hoher Wahrscheinlichkeit vermeidbar. Eine einmalige Thermografieprüfung (Kosten: ca. 800–1.200 €) hätte den erhöhten Übergangswiderstand bereits 2023 detektiert. Die fehlende Wartung der DC-Steckverbindungen ist ein in der Branche verbreitetes, aber unterschätztes Risiko. Statistisch sind fehlerhafte MC4-Verbindungen für ca. 35 % aller PV-Brände in Deutschland verantwortlich.
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