Gutachten: Elektrolumineszenz-Analyse deckt 847 verdeckte Zellrisse nach Hagelereignis auf

Gutachtentyp: Versicherungsgutachten / Schadensanalyse Anlagengröße: 4,2 MWp Monokristallin PERC Region: Mittelfranken Zeitraum: Jul – Sep 2024
Zusammenfassung des Gutachtens:
EL-Aufnahme — Zellriss-Klassifikation (Modul #47, 72 Zellen) Klassifikation Klasse A (intakt) Klasse B (Risse) Klasse C (kritisch) 49 intakt (68%) 15 Klasse B (21%) 8 Klasse C (11%) Befund: 23 von 72 Zellen mit Rissen → Leistungsverlust 8,4% (gemessen via Flash-Test) Hagelereignis 14.07.2024 | Korngröße 3–4 cm | Aufprallwinkel ~72°

Warum war eine Elektrolumineszenz-Prüfung erforderlich?

Am 28. Juni 2024 traf ein Hagelsturm mit Korngrößen von 3–4,5 cm einen 4,2-MWp-Solarpark in Mittelfranken (Inbetriebnahme 2021, monokristalline PERC-Module, 9.240 Module gesamt). Die visuelle Inspektion nach dem Ereignis identifizierte lediglich 23 Module mit sichtbarem Glasbruch — eine Schadensquote von nur 0,25 %.

Die Erfahrung zeigt jedoch, dass Hageleinschläge mit Korngrößen über 3 cm regelmäßig verdeckte Zellrisse (Microcracks) verursachen, die visuell und mittels Thermografie in den ersten Monaten nach dem Ereignis nicht erkennbar sind, aber langfristig zu Leistungsdegradation führen. Die Versicherung beauftragte daher eine systematische Elektrolumineszenz-Prüfung.

Prüfumfang und Methodik

ParameterWert
Geprüfte Module (Stichprobe)1.200 von 9.240 (13 %)
EL-KameraInGaAs-Sensor, 1024×1024 px, Belichtung 10 s
PrüfstromIsc (Kurzschlussstrom) des jeweiligen Moduls
PrüfzeitpunktNachts (22:00–04:00 Uhr), 12.–15. Juli 2024
Statistisches Konfidenzintervall95 % bei Stichprobengröße n=1.200

Was ergab die EL-Analyse?

Die Elektrolumineszenz-Aufnahmen zeigten ein deutlich ausgeprägteres Schadensbild als die visuelle Inspektion:

SchadenskategorieAnzahl ModuleAnteil StichprobeLeistungsrelevanz
Klasse A: Kein Befund68757,3 %Keine
Klasse B: Haarrisse ohne Inaktivierung29924,9 %Gering (≤2 % Pmax)
Klasse C: Zellrisse mit partieller Inaktivierung14712,3 %Mittel (2–8 % Pmax)
Klasse D: Schwere Zellrisse / Zellfragmentierung675,6 %Hoch (>8 % Pmax)
Summe mit Befund51342,8 %
Davon leistungsrelevant (C+D)21417,8 %Austausch empfohlen
Hochrechnung auf Gesamtanlage (9.240 Module): Bei 17,8 % Schadensquote (Klasse C+D) sind ca. 1.645 Module leistungsrelevant geschädigt. Unter Berücksichtigung des 95-%-Konfidenzintervalls liegt die tatsächliche Zahl zwischen 1.480 und 1.810 Modulen. Mittlere Ertragsminderung der Gesamtanlage: 8,3 % gegenüber P50-Prognose.

Wie wurde die Schadensentwicklung über Zeit bewertet?

Zur Validierung wurde eine Nachprüfung im September 2024 (3 Monate nach Hagelereignis) an 50 Modulen der Klasse B durchgeführt. Ergebnis: 12 Module (24 %) waren von Klasse B zu Klasse C degradiert — die Risse hatten sich unter thermischer Zyklierung vergrößert. Dies bestätigt den bekannten Mechanismus der "Crack Propagation" nach mechanischer Vorschädigung.

Welcher wirtschaftliche Schaden wurde festgestellt?

Gutachterliche Schadenskalkulation:
PositionBetrag
Modulaustausch 1.645 Module (inkl. Montage, Logistik)247.000 €
Ertragsausfall Austauschzeitraum (geschätzt 4 Wochen, anteilig)38.500 €
EL-Prüfung + Gutachten26.500 €
Gesamtschaden (versichert)312.000 €
Gutachterliche Einschätzung: Ohne EL-Prüfung wäre der Versicherungsschaden auf 23 Module (ca. 3.500 €) begrenzt worden. Die Dunkelziffer verdeckter Hagelschäden ist in der PV-Branche erheblich. Die Analyse zeigt, dass visuell unauffällige Anlagen nach Hagelereignissen mit Korngrößen >3 cm systematisch per Elektrolumineszenz geprüft werden sollten — die Schadensquote lag hier um den Faktor 71 über dem visuell erkennbaren Schaden.

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Zuletzt aktualisiert: 2026-05-20 | Autor: Christoph S. Prestele, TÜV-zertifizierter Sachverständiger | EN-Gutachter.de